Am 15. Juni früh morgens gings mit dem Bus in knapp 2 Stunden ab Busterminal Alameda ins wunderschöne Valparaiso. Der Bus kostete umgerechnet rund 10 Franken retour und die Dinger fahren mindestens alle halbe Stunde. Grundsätzlich kann man in Chile Fernbus fahren wie bei uns in der Schweiz. Einfach an den nächsten Terminal gehen, Billett kaufen und losfahren. Auf Grund des sehr dichten Netzes und vielen unterschiedlichen Busunternehmen findet man praktisch immer ein Platz in einem der nächsten Busse. Reservationen im voraus empfehlen sich höchstens für grössere Gruppen.

Die Altstadt von Valparaiso gilt als UNESCO Weltkulturerbe und wer das Städtchen besucht weiss danach auch wieso. Es ist ein sehr idyllischer Fleck auf der Landkarte. Sehr speziell sind die diversen Standseilbahnen (genannt Ascensores) welche auf die verschiedenen Hügel führen, auf welcher die Stadt gebaut ist. Von oben hat man eine wunderschöne Aussicht auf den Pazifik und die andern umliegenden Hügel.

Nach einem Nachmittag voller wertvollem Sightseeing machte ich mich rund 2 Stunden vor dem Spiel auf in Richtung Stadion. Dieses liegt ziemlich dezentral hinter einem Hügel direkt am Pazifik. Vom Hafen her fährt man am einfachsten mit dem Ascensor hoch zum Kriegsflottenmuseum, geniesst von dort die Aussicht und spaziert von dort in rund 20 Minuten über den Hügel zum kleinen, für die Copa frisch umgebauten Stadion.

Vor dem Stadion fanden noch einige Studentenproteste statt und es wurde auf die beiden Toten hingewiesen welche es anlässlich von Protesten in Valparaiso vor einigen Wochen gegeben hat. Die Polizei war allerdings mit einem massiven Aufgebot präsent, so das die Lage immer einigermassen ruhig war.

Das Stadion war nicht einmal zur Häflte gefüllt. Es waren einige Tausend Ecuadorianer da, dazu einige Hundert Bolivianer und neutrale Chilenen hatte es sehr wenige. Dies wohl auch auf Grund des am Abend stattfindenden Spiels der Chile - Mexiko in Santiago. Auf jeden Fall verliess auch ein grossteil der anwesenden Chilen das Stadion rund 15 Minuten vor Schluss um den Anpfiff im TV nicht zu verpassen. Die Spiele müssten wohl in Zukunft mit einem etwas grösseren Zeitabstand angepfiffen werden.

Das Spiel selbst war um Welten besser als erwartet. Der grosse Aussenseiter aus Bolivien ging bis zur Pause mit 3:0 in Führung. Die Ecuadorianer verschossen gar einen Elfmeter und es war vor beiden Toren mächtig viel los. In der Pause zog ein Sturm auf, welcher genau in Spielrichtung der Ecuadorianer blies. Diese profitieren vom Rückenwind und drückten die Bolivianer hinten rein. Selbige kamen in der 2. Halbzeit kaum mehr über die Mittellinie retteten aber am Schluss ein Tor Vorsprung ins Ziel. Dies obwohl die Ecuadorianer unglaubliche viele Torchancen hatten aber irgendwie wollte das Leder einfach nicht mehr über die Linie.

Die Freude bei den Bolivianern kannte mit dem Schlusspfiff keine Grenzen. Zusammen mit dem Punkt vom Mexico Spiel sind die Jungs eigentlich schon sicher im Achtelfinal. Offen ist nur noch die Position in der Gruppe. Die Ecuadorianer tief enttäuscht, für sie wars das vermutlich schon nach den beiden Niederlagen. Eine kleine Chance sich als Gruppendritter fürs Achtelfinale zu qualifizieren haben sie noch, es müsste aber sehr gut laufen.

Nachdem Spiel gabs für mich ein Gehetze, ich erreichte aber mit Mühe und Not meinen Bus um 20:45 Uhr und fuhr zurück nach Santiago. Im Bus hingen alle an den Radios kommentierten jeden Spielzug der Chilenen und nach der Ankunft im Busbahnhof guckte ich gemeinsam mit den Chilenos noch die letzten Minuten auf den Bildschirmen des Busterminals auf welchen überall das Fussballspiel lief. Dieses endete letztlich 3:3 was in der Gruppe noch vieles offen lässt.