Einer der beiden Schnellzüge welche zwischen Kharkiv und Kiev verkehren fährt bereits am Morgen um 06:50 Uhr. Daher mussten wir nach dem Holland - Deutschland Spiel schon sehr früh aus den Federn. Fürs Taxi zum Bahnhof bezahlten wir diesmal ein Viertel von dem was wir auf dem Hinweg zahlten. Soviel zu den Ukrainischen Taxifahrern...

Am Bahnhof angekommen stand das moderne Gefährt auch schon bereit. Der Zug ist eine der wenige Hochgeschwindigkeitskompositionen welche sich die ukrainischen Staatsbahnen auf Grund der Euro zulegte. Das Teil ist Topmodern mit Bar und sogar Wifi (sehr langsam) ausgestattet.Dafür erreicht man Kiev aus Kharkiv nun in lediglich 4 1/2 Stunden wohl etwa 3 Stunden schneller als mit den Holperzügen zuvor.

Der Zug traf auch pünktlich in Kiev ein wo wir dann erstmals auf unserer Reise einen Mc Donalds aufsuchten. Da die Wegbeschreibung zum Hotel im Internet nicht wirklich genau war hatten wir ziemlich Mühe das Teil zu finden. Nach mehrmaligem Nachfragen und herumirren haben wirs in der Agglo von Kiev tatsächlich gefunden. Grundsätzlich OK das Hotel Voskhod. Einfach nicht ganz Zentral aber in 25 Minuten mit dem Tram Nr 3 ab Bahnhof zu erreichen und auch während der Euro mit einigermassen fairen Preisen.

Am Abend gings ein erstes Mal in die grosszügige Fanzone in Kiew welche ganz Zentral gelegen war. Man legte extra die zentrale Strasse der Stadt lahm und baute darum herum eine sensationelle Meile. Der Swedish Corner wurde für die Schweden hergerichtet welche ja dreimal in Kiew spielen durften. Ganz à la Oranje alles mit schwedischen Dj's und Halligalli Musik. Die Engländer liessen es sich natürlich nicht nehmen und errichteten Ihr Lager direkt vis à vis von den Schweden. Da war natürlich ein gewisses Konfliktpotential vorhanden. Auch die für die inhaftierte Oppositionelle Frau Timoshenko Protestierenden konnten Ihre Zelte auf der zentralen Strasse belassen was doch überraschte.

Nach einigen Bierchen in einem Rockerschuppen bei der Tramhaltestelle gings dann wieder zurück in unser Agglohotel in der Kiewer Pampa.

Am morgen des Spieltags gings früh Richtung City und ein erstes Mal zum Stadion um einige Fotos von ausserhalb zu schiessen. Die Strassen rund ums Stadion zur Innenstadt wurden schon sehr früh gesperrt so das wir tip top zwischen Stadion und Fanmeile flanieren konnte. Das Stadion lag auch hier sehr zentral und ist nur in etwa 10 Minuten zu Fuss ab Stadtmitte erreichbar.

Die Vorfreude auf das Spiel war allerorten gross. Die Schweden hofften das sie Ihre Startniederlage wettmachen können und die Engländer wollten einen wichtigen Schritt in Richtung Viertelfinale machen. Wir gingen zurück in die Fanzone wo es kurzzeitig zu kleineren Scharmützeln zwischen den Engländern und den tausenden Schweden im Swedish Corner kam. Grösstenteils blieb es aber sehr ruhig.

Wir suchten uns wieder ein Restaurant in Stadionnähe damit wir das 1. Spiel mit einheimischer Beteiligung der Ukrainier angucken konnten. Dies brachten wir auch problemlos zustande. Auf Grund eines riesigen Gewitters in Donezk wurde das Spiel dort lange unterbrochen und der Anpfiff von unserem Spiel auch nach hinten geschoben. Da wir aber nur einen Steinwurf vom Stadion entfernt waren, war dies nicht wirklich ein Problem für uns.

Das Stadion selbst ist eine Riesenschüssel mit rund 70000 Plätzen. Der Umbau des Teils kostete doppelt soviel wie der Neubau in München, dabei sollen die Korruptionszahlungen eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt haben. Aber man weiss es ja nicht so genau....

Die Engländer waren im Stadion wohl mit etwa 8000 zu 25000 unterlegen. Trotzdem waren Sie doch recht laut und waren sehr oft zu hören. Die Mannschaft spielte zu Beginn nicht wirklich Stark ging aber doch noch in Führung. Anfangs 2. Hälfte hatten die Engländer 2 riesige Blackouts was sie mit 1:2 in Rückstand brachte. Aber anders als in solchen Spielen bei andern grossen Turnieren reagierten die Engländer auf den Rückstand und kamen zurück. Theo Walcott und Welbeck drehten das Spiel und die Kurve der Engländer drehte voll durch. Zum Schluss waren die Schweden mit dem 3:2 gut bedient, da die Engländer in der Nachspielzeit beste Chancen vergaben. Der Sieg wurde in der Kurve ausgiebig gefeiert. Der Viertelfinal war nun bereits zum Greifen nah und das war angesichts der vielen Probleme welche die Engländer im Vorfeld hatten, schon ein Riesenerfolg.

Für uns gings nachdem Spiel zu Fuss und per Tram wieder zurück in unser tolles Hotel im Aussenbezirk. An Spieltagen fuhren die Trams sogar die ganze Nacht was auch nicht unbedingt zu erwarten war. Ausserdem wurden die Tickets für den Match ein erstes Mal als Fahrausweis für den öffentlichen Verkehr akzeptiert. In Kharkiv und Donezk war dies noch nicht der Fall. Bei den rund 15 Rappen welche dort eine Fahrt kostete kam das aber auch nicht wirklich drauf an.