Das Euro 2012 Abenteuer in der Ukraine ging am Mittag nach dem Frankreich - England Spiel weiter.

Von Donetsk ging es in rund 7 Stunden im russischen Schlafwagenzug von Donetsk nach Kharkiv. Die Distanz ist eigentlich nur rund 450km aber der Zug fährt zeitweilig derart langsam das man kaum vorwärts kommt daher braucht er auch seine 7 Stunden. So wie der Zug allerdings aussieht ist es vermutlich auch besser das er nicht schneller fährt. Wir hatten glücklicherweise ein sehr komfortables 1. Klasse 2 er Abteil gebucht das auch klimatisiert war. Dies kostete umgerechnet schlappe 25 Euro pro Person also ein wirkliches Schnäppchen. Bei den Haltestellen steigen laufend irgendwelche Händler ein und wollen im Zug irgendetwas verkaufen. Glücklicherweise hatte es in unserem Wagen auch noch einen russischen Bier Schwarzhändler. So konnten wir doch für rund 10 Euro 4 russische Biers kaufen welche sogar noch einigermassen gekühlt waren.

Kurz nach 21 Uhr kamen wir in Kharkiv an wo auf dem Perron ein halber Bazar stattfand. Da wir nicht wirklich eine Ahnung hatten wo unser Hotel ist und nicht noch ewigs suchen wollten, genehmigten wir uns für einmal ein Taxi. Für die relativ kurze Fahrt bezahlten wir rund 12 Euro was wohl rund das 4 fache des üblichen Preises war. Aber mit solchen Sachen muss man im Osten halt hin und wieder rechnen. Ist zwar mühsam aber gehört beim Taxifahren halt irgendwie dazu. Als Grundregeln gilt es zu beachten: wenn immer möglich Taxis meiden, wenn benutzen dann den Preis vorher abmachen oder sich das Taxi vom Hotel bestellen lassen dann bekommt man eigentlich auch immer ein fairer Preis.

Das Asotel ist wohl eher nicht empfehlenswert. Vermutlich wurde das Teil Extra für die Euro in ein Hotel umgebaut und wurde kurz vorher fertig. Die Klimaanlage funktionierte zwar, aber das Zimmer war so feucht das ein aufgehängtes Badetuch von morgens bis Abends eher feuchter als trockener wurde.... Ansonsten waren die Zimmer soweit in Ordnung, der Ausblick auf die Müllhalde aber auch nicht gerade einladend und allzu günstig war das ganze auch nicht. Der Receptionist sprach auch kein Wort englisch. Die Verständigung mit Händen und Füssen funktionierte aber relativ gut.

Am Morgen des Spiels gings auf einen kurzen Spaziergang durch den grossen Park zur Fanzone welche auf einem riesigen Platz inkl. Lenin Statue liegt. Dort war auch schon alles für die Holländer vorbereitet welche wieder Ihre traditionelle Oranje Party feierten. Grundsätzlich ja eine gute Sache, aber ob es wirklich nötig ist auch gewisse umliegende Restaurants komplett zu mieten und nur Oranje-Fanmitglieder zugänglich zumachen ist schon eher fraglich. Schliesslich haben ja die Holländer schon die ganze Fanzone für sich.

Wir hatten auf jeden Fall irgendwann genug von dem ganzen Orange und Schwarz - Rot - Gold und gingen nach einem Besuch auf dem riiiiesigen gedeckten Markt zur Verpflegung zum Edelusbeken in der Innenstadt. Das Teil war wenn auch für einmal etwas teurer (für uns immer noch günstig...) wirklich gut. Die Usbeken essen zwar scheinbar nur Lamm und Schaf. Auf jeden Fall hatten wir zur Vorspeise eine Suppe mit Lammfleisch, danach Teigtaschen gefüllt mit Lamm oder Spaghetti Bolognese mit gehacktem Lammfleisch also alles was das Herz begehrt.

Danach gings per Metro raus zum Stadion. Grundsätzlich hätte es neben dem Metallist Stadion eine U-Bahnstation. Diese ist aber zu nahe am Stadion und daher während der Euro an Spieltagen nicht in Betrieb. Danach suchten wir ziemlich lange nach einem Restaurant mit Fernseher für das erste Spiel. Als wir es fast schon aufgegeben hatten fanden wir eine Quartierkneipe etwa 100 m vom Eingang zum Stadion. Das ganze war etwas versteckt aber äusserst günstig. Ein Vodka gabs dort schon für 70 Eurocent oder ein Bier für rund einen Euro. Letztlich bekamen wir noch von einigen Russen einen Vodka spendiert worauf wir uns natürlich umgehend revanchierten, es war auf jeden Fall eine lustige Sache in dieser Beiz. Auch die Gastgeber mit den Riesenschaschliks (Fleischspiesse) hatten ihre Freude an den konsumierenden Gästen.

Das Spiel versprach auf Grund der Ausgangslage einiges. Die Holländer hatten ihr erstes Spiel gegen Dänemark verloren und waren doch mächtig unter Druck. Sie brachten im Spiel aber sehr wenig zu Stande und die zahlreichen Oranje Fans waren ziemlich ruhig. Die Holländer lagen plötzlich mit 2:0 zurück und konnten zwar denn Anschlusstreffer erzielen aber kamen zu keinen wirklich grossen Chancen mehr. Somit waren eigentlich die Holländer nach 2 Spielen schon fast draussen. Die Schwarz Rot Goldene Schar feierte den Sieg ausgelassen und laut. Denke es waren wohl etwa gleich viele Deutsche wie Holländer im Metallist Stadion.

Dieses ist nicht so kompakt wie die Donbass Arena und man sitzt ziemlich weit weg vom Platz. Ab einer gewissen höhe des Platzes sieht man aber das Spielfeld sehr gut.

Nachdem Spiel gings nach einen längeren Fussmarsch zur nächsten U-Bahnstation direkt zum Hotel da wir am nächsten Morgen schon sehr früh wieder auf den ersten Zug nach Kiev mussten.