Auf Grund der etwas umständlichen Anreise nach Donetsk respektive mangels Anreisenalternativen welche einigermassen zahlbar sind begann unser Euro 2012 Abenteuer bereits 2 Tage vor dem Spiel. Am Samstag morgen gings mit der Austrian Airlines via Wien nach Donetsk.

Dort gelandet staunten wir nicht schlecht. Am Flughafen sowohl in den aussen wie in den Innenbereichen wurde noch kräftig gebaut. Irgendwie schien man noch nicht so bereit für die Euro. Nach der ewigen Passkontrolle beim Ukrainischen Zöllner gings zum ersten Info Desk in der Empfangshalle. Die sehr hilfsbereiten Ukrainer erklärten uns den Weg zu unserem Hostel. Danach gings raus auf den Platz vor dem Flughafen. Dort hat es eigentlich ein neuer Busterminal. Nur ist dieser irgendwie auch noch nicht so ganz in Betrieb und es wird dort auch noch kräftig gebaut. Also nahmen wir unseren Bus ausserhalb des Terminals und staunten ein weiteres Mal. Da gibt es doch tatsächlich noch in jedem einzelnen Bus in Donetsk eine Ticketverkäuferin. Die Bustickets sind mit 15 Cent (Euro) respektive 1.50 UAH auch sehr erschwinglich.

Wir schafften es dann tatsächlich bei der richtigen Busstation auszusteigen. Glücklicherweise sind die Haltestellen in Donetsk meistens in kyrillischer und Westeuropäischer Schrift angeschrieben so das man sich einigermassen zu recht findet. In rund 10 Minuten schafften wir es über den Donetsker Hauptmarkt zu unserem sehr zentral gelegenen Hostel.

Dieses ist in seiner Hauptbestimmung ein Studentenheim für die Studenten in Donetsk. Diese wurden auf Grund der Euro ausquartiert und so konnten wir zu verhältnismässig günstigen Preisen etwas ukrainische Studentenheim Luft schnuppern. Normale Hotels sind während der Euro in den Städten wie Donetsk und Kharkov kaum zu bezahlen. An Reception erwartete uns eine Horde von Volunteers welche 2 Tage vor dem Spiel noch nicht wirklich viel zu tun hatten. So erhielten wir Führung durch das ganze Haus inkl. Zimmer, der komischen Kellerdusche und dem WC welches noch mit keiner WC Schüssel ausgestattet ist. Der Standard in diesem Hostel war wirklich sehr tief, aber wir hatten auch nicht viel mehr erwartet und dann ists auch nicht wirklich ein Problem.

Nach dem Checkin und der Führung durchs Hostel gings gleich raus und dort in den nächsten Biergarten welcher direkt neben dem Hostel lag. Dort gabs doch tatsächlich 2 grosse Bier für ganze 2 Euro. Das sind doch Preise mit denen es sich leben lässt. Grundsätzlich ist es in der ganzen Ukraine für Westeuropäer wirklich sehr günstig. Es gibt nur relativ wenige teurere Touristienfallen Restaurants und in Donetsk mangels Touristen sowieso keine.

Am Abend machten wir uns auf in Richtung Fanzone. Irgendwie haben wir den Weg nicht wirklich gefunden und sind plötzlich in einem etwas komischen dunklen Quartier gelandet. Per Zufall fanden wir dort eine grössere Openair Bar für eineimische welche die EM Spiele überträgt. Dort war eine lustige Athmospäre und wir bei weitem die einzigen Touristen. Die Preise waren auch hier Paradiesisch. Das Bier kostete sogar unter einem Euro und eine Flasche Vodka inkl. Apfelsaft gabs für Schlappe 7 Euro also rund 70 von diesen Ukrainischen UAH. Nach den Fernsehspielen suchten wir leicht angetrunken den Weg zurück durch das dunkle Quartier zu unserem sehr zentral gelegenen Hostel.

Die Dusche am morgen entwickelte sich auf Grund der rudimentären Sanitären Anlagen auch etwas zum Abenteuer. Tagesziel des Sonntags war es die beiden Zugtickets für die Strecken von Donetsk nach Kharkiv und von Kharkiv nach Kiev am Bahnhof abzuholen. Nach einigen Turbulenzen beim anstehen waren wir an der Reihe und die ukrainische Schalterbeamtin hocherfreut. Irgendwie hatte ich das Gefühl das wir die ersten Kunden waren die ihr ein Internet Reservation für Bahntickets vor die Nase hielten. Es klappt aber alles Tiptop und wir bekamen die kultigen Tickets. Diese sind auf Grund der kyrillischen Schrift für westliche Augen aber kaum zu verstehen. Glücklicherweise werden die Zahlen wie bei uns geschrieben. Somit kann man wenigstens die Zeiten und Daten entziffern.

Bei der Rückfahrt vom Bahnhof gings noch in eine Shopping Mall mit westlichen Standards allerdings auch mit westlichen Preisen. Das Teil ist aber Topmodern und zeigte uns auf in welchem Land der Gegensätze wir uns hier befinden. Da der Stadtmarkt auf dem man viele Sachen äusserst günstig bekommen kann und dort der westliche Shoppingtempel mit all seinen teuren Markenartikel. Innerhalb des Shoppingtempels gibts auch noch eine Funzone mit komplett ausgestattetem grossen Eishockeyfeld.

Mit dem Bus gings via Olympiastadion zur Donbass Arena zu einer ersten Fotosession. Nach einem Bierchen im 5 Sternehaus Donbass Palace zum sehr erschwinglichen Preis von rund 2 Euro gings wieder zurück in die City.

Am Montag war endlich unser erstes Spiel angesagt. Frankreich vs. England versprach doch von der Affiche her so einiges. Aus den beiden Ländern waren verhältnismässig wenig Fans angereist. Sogar aus England waren wohl unter 10'000 Leute in der Stadt, was für ein Spiel an einem Endrundenturnier doch erstaunlich war. Dies hatte wohl den Grund darin das Donetsk halt schon sehr abgelegen liegt und die Ukrainie im Vorfeld halt auch nicht immer im positiven Licht der Öffentlichkeit stand. Trotzdem besammelten sich die Engländer wie gewohnt am zentral gelegenen Pub wo bereits am Nachmittag eine feuchtfröhliche Stimmung herrschte. Das Bier ging dummerweise um 14 Uhr bereits aus. Wobei die improvisationsstarken Ukrainier irgendwie nachschub beschafften so das die Engländer nicht allzulange auf dem trockenen sitzen mussten.

Gut eine Stunde vor dem Spiel machten wir uns auf den Weg zum sehr zentral gelegenen Stadion wo wir nach 2 Zwischenvodkas in einer Kellerbar auch pünktlich ankamen. Die Donbass Arena ist ein wahres Schmuckstück welches von Aussen eher wie eine Halle aussieht.  Im innern ist es aber ein wunderschönes Stadion welches für gut 50'000 Zuschauer Platz bietet. Leider waren diese Plätze nicht ganz vollständig bestetzt Bei einem Jahreseinkommen von Durschnittlich 300 Euro sind die 30 Euro für das günstigste Ticket welche die Uefa wollte schon ein horrender Preis welcher die Ukrainier nicht einfach so berappen können. Es waren unheimlich viele Russen im Stadion und die Rossija Sprechchöre waren zeitweilig lauter als jene für die beteiligten Mannschaften.

Das Spiel an sich war in der ersten Halbzeit noch einigermassen Unterhaltsam und unsere Engländer gingen gegen die favorisierten Franzosen gar in Führung. Nach dem Ausgleich der Franzosen einigten sich die beiden Mannschaften scheinbar auf ein Unentschieden auf jeden Fall passierte nicht mehr viel weltbewegendes.

Das Abendspiel der Ukraine gegen Schweden und der Sieg der Heimmannschaft zogen wir uns in ener Beiz auf dem Weg zurück ins Hostel rein. Die Ukrainer feierten Ihren Sieg natürlich euphorisch. Für uns hiess es dann so langsam Abschied nehmen von Donetsk und uns bereitmachen zur Weiterfahrt nach Kharkov. Alles in allem hat uns dieses Donetsk doch sehr positiv überrascht. Die Leute waren sehr freundlich und hilfsbereit. Es gibt viele Grünflächen mit unzähligen von Restaurants und Biergärten und es ist alles sehr, sehr günstig. Denke aber das es in den Wintermonaten sicherlich um einiges ungemütlich ist als in der heissen Jahreszeit.