Am Abend des Libertadores Superclassicos Teil 2 fand kurz vorher im nur 3 km entfernten Stadion das Copa Libertadores Achtelfinal zwischen dem Racing Club Avallaneda (Stadtteil Buenos Aires) und den Montevideo Wanderers statt.
Da die Chance auf Tickets zu vernünftigen Schwarzmarktpreisen bei Boca sehr klein war, entschied ich mich schon relativ früh dieses Spiel zu gucken.
Der Bus Nr. 10 fährt ab Buenos Aires Zentrum via La Boca praktisch bis vor Stadion von Racing, welches in rund 40 Minuten zu erreichen ist. Bei starkem Verkehr kann's vielleicht auch mal ne Stunde dauern.
Die Tickets kauften wir uns diesmal auf normalem Weg im Clubshop im Stadzentrum. Dort gab's zwar nicht alle Kategorien und die Nichtmitglieder (No Socio) Preise waren mit 650 Peso (65 Franken) auch nicht ganz günstig. Da es die die andern Kategorien im Vorverkauf aber nur direkt beim Stadion gab und ich auf den zusätzlichen Trip verzichten wollte, nahm ich diesen Preis in Kauf.
Dafür waren es auch absolute Topplätze auf der oberen Tribüne in der Mitte. Das Stadion ist etwas kleiner als das El Monumental von River aber auch im Oval angeordnet. Die No Socio Tickets waren nicht nummeriert allerdings sind diverse Plätze der Dauerkarteninhaber markiert und werden je nachdem beansprucht. Die Sicht vom Platz in die Racing Kurve war perfekt und die Stimmung während eines grossen Teil des Spiels Top. Auffällig auch die Ruhephasen welche die Kurve zeitweilig einlegte um danach wieder so richtig zu explodieren. Eindrücklich wie bei allen Spielen die ich bisher in Argentinien gesehen habe, waren die Lieder bei welchen das ganze Stadion mittobt. Da wird es oft sehr, sehr laut und stimmungsvoll. Interessant auch die Lichterchoreo mit der Taschenlampe Funktion der Handys während des Spiels.
Dieses war diesmal auch ziemlich ansehnlich. Nach dem 1:1 im Hinspiel in Uruguay versuchte Racing möglichst rasch in Führung zu gehen. Nach einigen vergebenen Chancen gelang das 1:0 und mit der 2. Halbzeit schliesslich das vermeintlich vorentscheidende 2:0. Die Wanderers kamen aber kurz vor Schluss mit einem Freistoss nochmals heran. Zum Schluss wurde es nochmals richtig hektisch, doch die Wanderers konnten die Verlängerung nicht mehr erzwingen.
Da es sich um ein Libertadores Spiel gegen eine nicht argentinische Mannschaft handelte, waren für einmal auch Gästefans zugelassen. Aus Montevideo waren wohl so 800 Nasen angereist, welche mit Polizeieskorte zum Stadion gebracht wurden und zwischenzeitlich im Stadion auch zu hören waren.
Nach dem Spiel gings mit dem Bus wieder zurück in die City. Da ich schon recht spät dran war, verzichtete ich darauf in Boca einen Zwischenstopp einzulegen um allenfalls Karten zu vernünftigen Preisen für den Classico zu finden.
Mitte der ersten Halbzeit des Classicos schaltete ich den Fernseher ein und da lief das Spiel auch noch normal. Nach der Pause geschah das unglaubliche: Ein Boca Fan wusste nichts besseres als Pfefferspray in den Spielertunnel von River zu sprayen und das Spiel wurde zunächst für 75 Minuten unterbrochen. Um 23:15 Uhr entschied man sich doch noch die Partie definitiv abzubrechen. Die River Spieler konnten aber aus Sicherheitsgründen das Spielfeld erst nach Mitternacht verlassen. Die Berichterstattung zu diesem Thema nimmt kein Ende. So waren dem Escandalo heute in der argentinischen Fussballzeitschrift Olé schlappe 59 Seiten gewidmet und auch am TV gibt es nur noch ein Thema.
Das Urteil bezüglich der Wertung des Spiels wird für den Tag nach dem Spiel erwartet. Alles andere als ein Forfait zu Gunsten von River wäre für mich eine Überraschung, allerdings gab es von diesen schon einige in meinen 10 Tagen hier in Buenos Aires.
Dieses Wochenende sind übrigens alle Spiele in den Ligen Argentiniens abgesagt, da ein Spieler einer unterklassigen Mannschaft in einem Spiel gestorben ist. Er zog sich einen doppelten Schädelbruch zu bei einem Sturz auf eine Betonmauer direkt neben dem Spielfeld.
Da ich morgen so oder so mit der Fähre nach Uruguay aufbreche, ist das aber nicht so dramatisch.

